Mythos Fremdenlegion



Als brutal verrufen, als „Elite“ bewundert: Um kaum eine Kampfeinheit ranken sich so viele Legenden wie um die französische Fremdenlegion. Über viele Jahrzehnte kam die Mehrheit der Legionäre aus Deutschland, besonders nach dem Zweiten Weltkrieg. Gegründet wurde die Fremdenlegion 1831 als eine Truppe von Ausländern mit dem Auftrag, für Frankreich Kolonien zu erobern.

In dieser Dokumentation erzählen ehemalige deutsche Fremdenlegionäre zum ersten Mal von ihren Erlebnissen in der Legion. Die meisten von ihnen waren in den vierziger und fünfziger Jahren in Vietnam und Algerien im Einsatz. Nach dem Zweiten Weltkrieg war für viele deutsche Kriegsgefangene das Leben als Legionär der ersehnte Ausweg. Angehörigen der Waffen-SS bot der Dienst für Frankreich eine neue Identität. Durch das so genannte Anonymat entzogen sie sich den Strafen für ihre Verbrechen im Dritten Reich. „Ich möchte wetten, dass die Hälfte von den Jungs, die damals in die Legion gegangen sind, keine Ahnung von nichts hatten.

Die froh waren, dass sie überhaupt was zu beißen kriegten“, beschreibt der ehemalige Legionär Heinz Timm die Situation. Heute wie damals verpflichten sich die jungen Männer mit ihrer Unterschrift für die nächsten fünf Jahre. Damit verändert sich ihr Leben drastisch, sie erhalten einen anderen Namen und damit eine neue Identität. Was für viele der deutschen Fremdenlegionäre nach dem Zweiten Weltkrieg dann folgte, waren blutige Einsätze in Indochina und Algerien, ein knallharter Drill und absoluter Gehorsam.

Nirgendwo haben so viele Deutsche ihr Leben für Frankreich gelassen wie bis 1954 in Vietnam. Die Fremdenlegion sollte Frankreichs Kolonialherrschaft gegen die Viet Minh schützen, die für ein unabhängiges Vietnam kämpften. Der Dschungelkampf entwickelte sich zu einem gnadenlosen Krieg ohne Fronten. Dien Bien Phu, ein Tal im Norden Vietnams an der Grenze zu Laos, wurde zum „Stalingrad der Fremdenlegion“. Noch im gleichen Jahr – im November 1954 – ging der Kampf der Fremdenlegion in Algerien weiter.

Ex-Legionär Josef Häsler erinnert sich: „In Vietnam war es schon grausam. Aber ich muss ehrlich sagen, in Algerien war es noch grausamer. Wenn sie einen von uns geschnappt haben, wurden die Ohren abgeschnitten – und die Nase.“ Brutalität herrschte auf beiden Seiten, wie der Nahost-Experte Peter Scholl-Latour beschreibt: „Um an Informationen zu kommen, wendeten die Franzosen Folter an. Und das war eben das, was den Algerien-Krieg belastet hat. Es ist viel gefoltert worden.“ Es gab auch Legionäre, die da nicht mitmachen wollten. Manche liefen sogar zu den algerischen Aufständischen über.

Die meisten aber bleiben bei der Legion. Heute kommen nur noch wenige Deutsche zur Fremdenlegion, denn rund 1000 Euro Einstiegssold sind für die meisten kein Anreiz mehr. Vieles hat sich in der Fremdenlegion verändert. Die Legionäre von heute sind Spezialisten: „Sie sind extrem professionell, getrimmt auf die moderne Art der Kriegführung, auf Kommandounternehmen“, sagt Peter Scholl-Latour, der im Laufe seiner langen Karriere immer wieder Zeuge von Einsätzen der Legion wurde.

Ob in Afrika, auf dem Balkan oder derzeit im Tschad – wo Soldaten benötigt werden, die bereit sind, alles zu riskieren, da findet man die französische Fremdenlegion. Aber unter jedem der weißen Kepis der Legionäre steckt ein Schicksal – auch heute noch: „Oft haben sie alles verloren oder alles hinter sich gelassen, doch darüber reden sie nicht“, sagt Emmanuel Gastine, französischer Offizier der Fremdenlegion.

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